Unternehmensbewertung mit dem Net Asset Value (NAV) - OLG München (31. Zivilsenat), Beschluss vom 12.07.2019 - 31 Wx 213/17

Bei der Bestimmung des Unternehmenswertes ist der „wahre“ Wert des Unternehmens zu ermitteln. In den Fällen, in denen ein Börsenwert nicht vorliegt, wird weder durch Art. 14 GG, noch durch das einfache Recht vorgeschrieben, nach welcher Methode dieser Wert ermittelt werden muss. Der Unternehmenswert ist vielmehr nach § 287 Abs. 2 ZPO zu schätzen. Stehen dem Gericht mehrere Berechnungsmethoden zur Verfügung, obliegt die Auswahl der Methode ebenfalls dem richterlichen Ermessen. Das Ermessen umfasst jedoch nur solche Methoden, die in der Wirtschaftswissenschaft oder Betriebswirtschaftslehre grundsätzlich anerkannt und in der Praxis gebräuchlich sind.

„Verfassungsrechtlich geboten sind nur die Auswahl einer im gegebenen Fall geeigneten, aussagekräftigen Methode und die gerichtliche Überprüfung ihrer Anwendung.“

Dementsprechend gibt es keine Bedenken, dass der Net Asset Value (NAV) eine grundsätzlich geeignete Bewertungsmethode, insbesondere bei der Schätzung des Unternehmenswertes reiner vermögensverwaltenden bzw. Immobiliengesellschaften, sein kann, weil es sich um eine in der Wirtschaftswissenschaft allgemein anerkannte und in der Praxis gebräuchliche Bewertungsmethode ist.

Der Unternehmenswert ist bei der NAV-Methode die Differenz aus der Summe der einzelnen Vermö-genswerte und der Verbindlichkeiten. Die NAV-Methode ist primär ein Einzelbewertungsverfahren, das punktuell auf das Ertragswertverfahren bzw. auf das DCF-Verfahren zurückgreift, weil bei der Bewer-tung der einzelnen Assets die jeweiligen prognostizierten Erträge zu berücksichtigen sind.

Die Unternehmenswertermittlung nach der NAV-Methode ist daher geeignet, den „wahren“ Wert des Unternehmens zu bestimmen.

Der Einwand gegen die NAV-Methode, dass etwaige Verbundvorteile zwischen den einzelnen Assets nicht angemessen berücksichtigt werden greift jedoch – anders als bei operativ tätigten Unternehmen – nicht durch, da bei reinen vermögensverwaltenden bzw. Immobiliengesellschaften in der Regel keine Synergieeffekte bzw. immaterielle Werte geschöpft werden, sondern die einzelnen Vermögensgegenstände im Vordergrund stehen. Gerade bei der Verwaltung, Vermietung und beim Verkauf von Immobilien wird kein Produkt verbessert oder weiterentwickelt.